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Wildtiere in Deutschland: Zwischen Nähe und Distanz

Meine ersten Schritte in die Wildtierfotografie machte ich vor der eigenen Haustür. Doch schnell wurde klar: Deutschland ist ein Land voller Schönheit - und voller Konflikte zwischen Mensch und Natur.

Mein Weg zur Wildtierfotografie

Fotografie war schon lange ein Teil meines Lebens, doch erst während meines Zweitstudiums - nach einer langen beruflichen Phase als Innenarchitektin - entwickelte sie sich zu etwas Größerem. Anfangs entstanden Experimente mit Architekturfotografie, Porträts und unseren Hunden.

Dann kam der erste Lockdown. Reisen waren plötzlich unmöglich - und so entstand bei mir die Idee, die Wildnis direkt vor meiner Haustür neu zu entdecken und mit der Kamera festzuhalten.

Während ich tagsüber an meiner Masterarbeit schrieb, zog es mich zur Abwechslung hinaus in die Natur: Spaziergänge mit unseren Hunden, erste Aufnahmen von Vögeln und Rehen, später Falken, Greifvögel und Rotkehlchen. Meine Kamera wurde mein ständiger Begleiter. Dieses intensive Hinsehen schärfte meinen Blick dafür, wie besonders - und doch oft übersehen - das Zusammenleben von Mensch und Wildtier ist.
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Ein Reh im Abendlicht - Sinnbild für die stille Schönheit vor unserer Haustür.

Beobachtungen und Herausforderungen in Deutschland

Deutschland ist dicht besiedelt. Viele Menschen haben nur wenig Zugang zu unberührter Natur. Ich habe gemerkt, dass Wildtiere hier oft scheuer sind als anderswo. Selbst dort, wo Populationen existieren, ist Sichtbarkeit kein Maß für deren Existenz. Das Fehlen alltäglicher Naturerfahrungen prägt unser Verhältnis zur Wildnis.

Trotz der Distanz zu bewussten Wildtierbegegnungen begegnet uns Natur täglich - auch im Straßenverkehr. Allein Versicherer des GDV meldeten im vergangenen Jahr über 280.000 Wildunfälle. Das entspricht mehr als 750 Kollisionen pro Tag. Besonders häufig ereignen sie sich in den Monaten April, Mai sowie von Oktober bis Dezember. Die wirtschaftlichen Schäden belaufen sich dabei jedes Jahr auf mehrere hundert Millionen Euro. (GDV, ADAC).

Diese Zahlen zeigen: Natur ist nah - sie fordert uns heraus, fordert uns herauszudenken, wie wir mit wilden Tieren und ihren Lebensräumen umgehen.

Erfreulich ist die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland: Im Monitoringjahr 2023/24 wurden 209 Wolfsrudel, 46 Paare und 19 sesshafte Einzelwölfe nachgewiesen - ein deutlicher Anstieg zum Vorjahr (DBB-Wolf).Diese Entwicklung zeigt, wie sehr sich die Tierwelt verändert - und wie sehr wir als Gesellschaft reagieren müssen: mit Schutzkonzepten, mit Verständnis und mit Anpassung unseres Lebensraums.

In der Jagdsaison 2022/23 wurden in Deutschland 408.926 Füchse erlegt (FR). Diese Zahl verdeutlicht, wie präsent Konflikte um Raubtiere auch bei kleineren Wildtieren sind - und wie unterschiedlich unsere Ansprüche an „Nutz“ und „Schutz“ sein können.
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Wildgänse im Flug - vor dem Hintergrund von Windrädern, Sinnbild für die Konflikte zwischen Natur, Energie und Klimapolitik in Deutschland.

Heimische Konflikte und Haltung

In ländlichen Regionen wächst der Zwiespalt: Schäfer fürchten Wolfsrisse, Ernteflächen werden von Wildschweinen geschädigt. Diskussionen um Herdenschutz versus Abschusskultur werden hitzig geführt - dabei teilen viele Beteiligte gleiche Werte, nur der Zugang ist verschieden.

Die Darstellung von Wölfen als Gefahr verstärkt oft Vorurteile. Der Tierfilmer Andreas Kieling bezeichnete die Stimmung um den Wolf als „wie eine Sekte“, die sich mit emotionalen Bildern füttert (Kreiszeitung). Er fordert dringend mehr Aufklärung, um Fakten statt Emotionen sprechen zu lassen.

Studien zu „Nature-Deficit-Disorder“ zeigen, dass Menschen durch urbane Lebensweisen das Gefühl für natürliche Rhythmen verlieren. Bewegungsmangel, Stress, kognitive Einschränkungen sind Folgen. Diese Erkenntnisse gehen u. a. auf Richard Louv zurück, der das Phänomen in Last Child in the Woods prägte (Children & Nature Network).

Während ich in Deutschland zunehmend beobachte, wie Rückkehrarten wie Wolf und Luchs für Aufregung sorgen, sehe ich in anderen Regionen, etwa im arktischen Raum oder in Afrika, oft Bewahrung in der täglichen Praxis. Indigene Gemeinschaften, Ranger-Einheiten oder Dorfgemeinschaften leben und vermitteln täglich Wissen über Wildtiere und Ökosysteme - mit einem anderen Verhältnis von Nähe, Respekt und Verantwortung. Natürlich weiß ich, dass auch dort nicht alles ideal ist und Konflikte bestehen. Doch insgesamt erscheint mir die Aufklärung und das Bewusstsein in vielen dieser Regionen deutlich stärker ausgeprägt als hierzulande. Meine Reisen haben mir gezeigt, dass es möglich ist, mit Wildtieren zu koexistieren - mit Stolz, Wertschätzung und ohne Panik.

Persönlicher Appell: Verantwortung verbinden

Ich möchte mit meinen Fotos, meinen Texten, meinem Engagement nicht nur schöne Bilder zeigen, sondern Haltung. Haltung im Sinne von Achtsamkeit, Wertschätzung, aber auch Einsatz und Mitdenken - auf allen Ebenen.

Ich sehe meine Rolle darin, Brücken zu bauen: zwischen Wildtierfotografie, Naturschutz, Wissenschaft und öffentlichem Diskurs. Dabei nutze ich mein Wissen aus Strategie, Medienmanagement und Innovationsprozessen - um Plattformen zu schaffen, die Dialog ermöglichen, statt eine Debatte nur emotional zu laden.

Wildtiere sind keine Projektionen - sie sind Teil einer lebendigen Realität, die wir verstehen, achten und schützen können. In Deutschland wie weltweit.
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