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Licht und Weite - Unterwegs in der mongolischen Steppe

Von frostigen Nächten bis zu warmen Sommertagen, von Staub in der Luft bis zu unendlicher Weite: Die mongolische Landschaft zeigt sich in Extremen - und prägt Mensch, Tier und jeden, der sie bereist.

Extreme des Klimas

Als wir Ende Mai in der Westmongolei ankamen, zeigte sich die Landschaft zunächst karg, fast wie eine Mondoberfläche. Schnee lag noch in den Höhen, und die Seen waren teilweise vereist. Schon bald erlebten wir die ganze Bandbreite dieses Landes: Nächte mit minus fünf Grad und Tage mit bis zu fünfundzwanzig Grad Celsius. Es war die Übergangszeit zwischen Winter und Sommer - und doch kein Frühling, wie wir ihn aus Europa kennen. In der Mongolei gibt es im Grunde nur zwei Jahreszeiten: einen langen, extrem kalten Winter und einen kurzen, heißen Sommer.

Einmal öffnete ich morgens die Tür meiner Hütte - und es fiel Schnee. Nur für wenige Stunden, bevor die Sonne wieder alles in silbriges Licht tauchte. Dieser Moment machte deutlich, wie abrupt Wetterwechsel in dieser Region sein können.
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Blick aus dem Flugzeug über die mongolische Steppe - eine Landschaft so karg und weit, als würde man auf dem Mond landen.

Staub, Weite und die eigene Grenze

Tag für Tag legten wir hunderte Kilometer zurück, insgesamt über 2.000. Asphalt gab es kaum - stattdessen fuhren wir über Pisten aus Sand, Geröll und Stein. In den russischen „UAZ-Bullis“, die unsere Fahrer meisterhaft beherrschten, wurden wir oft kräftig durchgeschüttelt. Einmal musste einer der Wagen repariert werden - nach einer halben Stunde hatten die Fahrer ihn schon wieder flottgemacht, und wir waren zurück auf der Piste.

Was uns jedoch ständig begleitete, war der Staub. Überall lag er in der Luft, drang in Lungen und Kleidung. Für mich persönlich wurde er irgendwann zu einer Belastung. Ich bekam eine gereizte Lunge, lag mit leichtem Fieber in der Jurte und merkte, wie mein Körper sich an diese trockene, fremde Welt gewöhnen musste. Gleichzeitig war es genau dieser Staub, diese raue Luft, die das Erlebnis so intensiv machte: ein Eintauchen in eine Natur, die keine Rücksicht nimmt.
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Schulkinder im Staubsturm - der Wind der mongolischen Steppe prägt den Alltag ebenso wie die Weite.

Hunde der Steppe - die Bankhar

Vor vielen Jurten entdeckten wir sie: die großen, kräftigen mongolischen Bankhar-Hunde. Schon beim ersten Halt lagen sieben von ihnen um zwei Jurten verteilt, viele noch jung, verspielt, neugierig. Unsere Fahrer warnten uns vor ihnen, doch schnell merkten wir: Sie waren voller Freude, ließen sich kraulen und wirkten friedlich.

Die Bankhar gelten als traditioneller Schatz der Nomaden. Sie sind Herdenschutzhunde, die über Jahrhunderte gezüchtet wurden, um Viehherden gegen Wölfe oder sogar Schneeleoparden zu verteidigen. Ihr anhaltendes Bellen in der Nacht hält Raubtiere fern - ein entscheidender Faktor in einer Region, in der Konflikte zwischen Viehhaltern und Wildtieren an der Tagesordnung sind. Programme in Zusammenarbeit mit dem WWF haben in den letzten Jahren versucht, die Population dieser Hunde zu stabilisieren und sie gezielt wieder bei Nomaden einzusetzen (WWF, 2024)

Für uns waren sie nicht Bedrohung, sondern Begegnung - ein Stück der mongolischen Seele, das sich uns sofort zeigte.
Bankhar-Hunde - treue Wächter der Steppe, Beschützer von Herden und Familien.

Vieh und Landschaft

Die Steppe war erfüllt von Leben. Pferde, Yaks, Schafe und Kaschmirziegen bewegten sich frei über Hügel und Täler, ohne Zäune oder Begrenzungen. Manchmal sahen wir Kamelherden - zweihöckrige Trampeltiere, die ebenso zu den Tieren der Nomaden gehören. Sie tauchten plötzlich am Ufer eines Sees auf oder zogen langsam durch das offene Land.

Besonders eindrucksvoll waren die Lichtspiele. Dunkle Gewitterwolken zogen über uns hinweg, während die Sonne immer wieder golden durchbrach und die Weite in ein dramatisches Schattenspiel verwandelte. Diese Landschaft, unendlich offen und zugleich voller Stimmung, war wie keine andere, die ich je erlebt habe.
Herden in der endlosen Weite - die mongolische Landschaft gehört Mensch und Tier zugleich.

Begegnungen mit Nomaden

Unterwegs trafen wir Nomaden, die ihre Tiere von einem Quartier ins nächste führten. Oft saßen ganze Familien auf einem Motorrad, Vater, Mutter und Kind, dazu noch Holzstangen für den Bau einer Jurte. Es waren Szenen, die von Pragmatismus erzählten - und von einer Lebensweise, die auch heute noch eng an die Natur gebunden ist.

Wir wurden fast überall freundlich begrüßt. Mal baten wir darum, bei einer Familie mit Kaschmirziegen Halt machen zu dürfen. Mit sichtbarem Stolz zeigten sie uns ihre Arbeit: Das Kämmen der Tiere, um die feine Unterwolle zu gewinnen, aus der später das begehrte Kaschmir wird. Etwa 40 % der Wolle lassen sich nutzen, erklärte uns der junge Nomade. Die Tiere zickten anfangs - aber sobald sie gebürstet wurden, schienen sie die Prozedur fast zu genießen, wie eine Massage.
Kaschmir-Ziegen und mongolischer Pragmatismus - vom sorgfältigen Ausbürsten der feinen Wolle bis zum Motorrad, das ganze Familien samt Jurtenmaterial trägt.

Landschaft in Bewegung

Was mich am meisten berührte, war die Kombination aus Bewegung und Stille. Die Bewegung: unsere Fahrer, die mit ihren UAZ-Bullis manchmal ein kleines Wettrennen veranstalteten, lachend, voller Stolz auf ihr Können. Die Stille: das Land selbst, das in seiner Weite eine Ruhe ausstrahlte, die stärker war als jeder Lärm.

Diese Reise durch die mongolische Landschaft war anstrengend, fordernd und wunderschön zugleich. Sie zeigte mir, wie sehr das Leben hier von Extremen geprägt ist - und wie eng Menschen, Tiere und Natur miteinander verbunden bleiben.

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